Verfasst von: bletra | 3. Juni 2013

Wissenschafltiches Arbeiten in der Informatik (Teil 1 von 7)

Aktuell betreue ich erstmalig Bachelorarbeiten. Dabei und auch schon beim Vorbereitungsseminar und der Praxisphase zeigt sich immer wieder, dass es Unklarheiten bzgl. „Wissenschaftlichem Arbeiten“ in der Informatik gibt. Was ist damit gemeint, wie schreibe ich eine Bachelor-Arbeit, wie gehe ich vor, … Das sind Fragen, die sich viele Studierende stellen. Mit dieser Artikelserie möchte ich versuchen, einige Fragen zu beantworten. Wenn Sie Tipps und Links haben, dann freue ich mich über Kommentare.

Die Artikelserie adressiert folgende Themen:

  1. Einleitung (dieser Post)
  2. Literaturrecherche
  3. Literaturverzeichnis
  4. Gliederung
  5. Diskussion
  6. Abstrakt
  7. Feinschliff

Zunächst eine sachliche Definition, wie sie  Sie beispielsweise in (Balzert et al. 2008) finden:

Wissenschaftliches Arbeiten ist planvoll geordnetes Vorgehen mit dem Ziel, neue Erkenntnisse und neues Wissen zu gewinnen sowie Praxisprobleme zu lösen.“

Es gibt viele (ähnliche) Definitionen zum wissenschaftlichen Arbeiten und mit dieser vorangestellten Definition wissen Sie, worauf sich diese Artikelserie bezieht. Sie sollten auch zentrale Begriffe Ihrer Arbeit mit Definitionen unter Angabe von Quellen einführen.
Zentral bei einer Thesis ist die Fragestellung, das Problem. Dies wird häufig unterschätzt. Eine zentrale Frage dient jedoch als Orientierung, als roter Faden, um diese Frage dreht sich die gesamte Arbeit. Es ist wichtig, die Frage klar zu stellen und einzugrenzen.
Cédric Villani (Mathematiker) hat im Interview mit der Frankfurter Rundschau auf die Frage des Interviewers, ob „Wie können wir Armut abschaffen“ eine richtige Frage sei, geantwortet:

„Wie können wir Armut abschaffen, ist eine sehr vage Frage. Bevor wir hoffen können, sie zu beantworten, müssen wir sie präziser formulieren. Was ist Armut?“

Auf die Nachfrage, ob das leichter zu beantworten sei, sagte er:

„Nein, aber ein erster Schritt. In der Wissenschaft gehen wir so vor: Zuerst beschreiben wir die Situation, dann versuchen wir, sie zu verstehen und erst dann handeln wir. Bevor wir handeln können, müssen wir erst verstehen, was Menschen arm macht, wann sie sich als arm betrachten usw. Dann fangen wir an, die Hypothesen, die wir bei der Beantwortung dieser Fragen formulieren, zu überprüfen. Vielleicht macht der Kapitalismus die Leute arm, vielleicht der Kommunismus, vielleicht ist es eine Verteilungsfrage, vielleicht eine der Gesetzgebung. Identifiziere, definiere die Frage! Wie kann ich feststellen, ob es eine Frage der Gesetzgebung ist? Wir haben Tausende von Gesetzen. Ich muss feststellen, was relevant sein könnte. Wenn Sie diese Unterfragen abgearbeitet haben, kommen Sie vielleicht der Sache näher. Sie entdecken aber auch Kausalitäten, die das Verständnis wieder erschweren und erst recht die Therapie.“

In dem Interview gibt es auch noch eine gute Antwort auf den angeblichen einsamen Wissenschaftler im stillen Kämmerlein:

„Niemand forscht für sich allein. Sie zeigen ihre Ergebnisse Kollegen, Freunden, bitten sie um Kommentare, um Kritik, setzen sich wieder darüber, schreiben um, suchen, finden dann womöglich an einer ganz anderen Stelle eine Lösung, aber es war die Kritik, die sie bewegt hat.“

Dies gilt auch für Ihre Arbeit, diskutieren Sie mit möglichst vielen verschiedenen Leuten Ihre Ideen, die Fragestellung, Methoden, Probleme, …

Das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit braucht Zeit, insbesondere die erste Arbeit dieser Art. Man braucht Zeit, um zu analysieren, was das Problem ist, welche möglichen Lösungen es gibt. Man braucht Zeit, um seine Gedanken zu ordnen, eine Lösung zu erarbeiten und diese präzise zu formulieren. Diskutieren Sie Ihre Ideen und Gedanken mit verschiedenen Leuten (immer wieder), dabei kommen Ihnen neue Ideen, Strukturen werden klarer.

Planen Sie für Ihre Arbeit folgende Phasen:

  • Grobgliederung, vgl. Gliederung
  • erste Literaturrecherche und Auswahl geeigneter wissenschaftlicher Arbeiten
  • Literaturstudium: Vergleichen Sie die gefundenen Quellen, versuchen Sie Unstimmigkeiten zu entdecken und entwickeln Sie eine eigene Meinung
  • Darstellung der aktuellen Forschung und Entwicklung: Fassen Sie die wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema zusammen und arbeiten Sie heraus, auf welchen Ergebnissen Sie aufbauen.
  • Entwickeln Sie eigene Ideen und stellen Sie diese dar. Fassen Sie diese Idee Ihrer Arbeit in einem Satz zusammen (These). Diese These ist der rote Faden Ihrer Arbeit.

Im nächsten Post gebe ich Tipps zur Literaturrecherche.

Literatur:

Balzert, H, Schäfer, C, Schröder, M & Kern, U 2008, Wissenschaftliches Arbeiten: Wissenschaft, Quellen, Artefakte, Organisation, Präsentation, Birkach: W3L.

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Responses

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